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den Alois Musil

Oldřich Klobas: Alois Musil

Resumé aus der Buch

Alois Musil zählt durch sien Lebenswerk zu den Großen der Arabistik. In seiner Person haben sich in fast idealer Weise die vita activa und die vita contemplativa ergänzt. Es ist nicht einfach, in nur einem Buch sien reiches Leben und sein ungewöhnlich umfangrieches Werk darzustellen. Musil ist als einer der letzten enzyklopädischen Orientalisten zu bezeichnen, dessen Interessensgebiet biblische Studien, Ethnographie und Geographie bis hin zum politischen Zeitgeschehen umfaßte. Darüber hinaus wurde er zunehmend auch auf diplomatischem Feld tätig.

Alois Musil wurde am 30. Juli 1868 in einer Bauernfamilie in Rychtářov bei Vyškov geboren. Schon als Gymnasiast beschloß er Priester zu werden, eine Entscheidung, die auch durch die schwierige existentielle Lage der Familei bedingt war. Nach der Matura trat er in ein Priesterseminar ein. Tieferes Interesse am Studium des Alten Testaments weckte bei Musil der Bibelexperte Professor Melchior Mlčoch. Nach Beendigung des Priesterseminars beherrschte Musil das Hebräische und war mit der alttestamentlichen Wissenschaft vertraut.

Die Wünsche der Menschen und die Wirklichket gehen oft auseinander. Alois Musil musste dann eine Stelle in Mährisch Ostrau annehmen, wo er an einer Schule unterrichtete und gleichzeitig bei der Verwaltung einer Pfarrei aushalf. Unter heute kaum zumutbaren Bedingungen, schrieb er seine dissertation und wurde im Juni 1895 promoviert. Durch seinen asketischen Lebenswandel zog er sich eine Lungenkrankheit zu.

Anfänglich wollte er sich zwar dem Studium des religiösen Lebens in den böhmischen Ländern nach em Westfälischen Frieden widmen, gab aber dann der Bibelforschung den Vorrang. Dies stand im Einklang mit der Enzyklika Providentissimus Deus, die nach Willen von Papst Leo XIII der Harmonisierung der traditionellen Auslegung der Schrift mit den modernen Wissenschaften dienen sollte. Im Zusammenhang mit diesen Bemühungen gründeten die französischen Dominikaner in Jerusalem die École biblique und die Jesuiten die Universität dess hl. Josef in Beirut. Musil erreichte nun, dass ihm sein Vorgesetzter, der Erzbischof Dr. Theodor Kohn die Erlaubnis zu einem Studium in Jerusalem erteilte. Anfangt November verließ er Olmütz mit der Zusage einer finanziellen Unterstützung.

Die dominikanische Institution fand Musil enttäuschend, das Lehrangebot entsprach wohl nicht mehr seinem Bildungsniveau. Nach vierzehn Monaten wechselte er deshalb zu der Universität des hl. Josef in Beirut über. Das dortige Milieu lag ihm mehr, hier schloß er auch einige nutzliche Freundschaften. Einen guten Ratgeber fand er zum Beispiel in der Person des hervorragenden Arabisten P. Louis Cheikh. Um auch die Bedingungen und Probleme der Lebens in der Wüste kennenzulernen, unternahm er jetzt kürzere Exkursionen. Von den bedeutenden Orten lernte er so Petra und Palmyra kennen.

In der frühen Phase war eine seiner wichtigsten Forschungsreisen die, die er in der ersten Hälfte 1898 unternahm. Hier machte er eine Entdeckung, die ihm für immer einen Namen in er Wissenschaft sichert. 110 Kilometer östlich von Amman fand er das Schlößchen Qusair Amra aus der ersrten Hälfte des 8. Jahrhunderts. Mit großer Faszination erblickte Musil die mit Fresken und Mosaiken geschmückten Wände: ihm war die aufsehenerregende Entdeckung der Figurenmalerei in einem Bau aus der Frühphase des Islams gelungen. Das Schlößchen der Kalife aus dem Stamm der Omayyaden wurde zur Sensation in der wissenschaftlichen Welt.

Alois Musil unternahm bis 1917 Reisen in den Orient. Als erste Österreicher begleitete ihn der Maler A. L. Mielich, weiter der Feldwebel R. Thomasberg vom Geographischen Heeresinstitut, der Geologe L. Kober, einmal sogar der Bruder der Kaiserin Zita von Habsburg, Prinz Sixtus Bourbon-Parma. Musil erlebte bei seinen Exkursionen zahlreiche Abenteuer, mehrere Male befand er sich in deirekter Lebensgefahr, bedroht von unzähligen Krankheiten, Hunger, Kälte, Hitze, Durst ....

Auf der anderen Seite wurde er zum Nebenhäuptling der beiden größten Beduinenstämme - der Ruala und der Beni Sachr. Dem Fürsten der Ruala, Núri ibn Shalan, rettete er sogar das Leben.

Zwischen den einzelnen Exkursionen hielt Musil vorlesungen und verfaßte seine wissenschaftlichen Arbeiten. Schon 1907-1908 erschien die vierbändige Monographie Arabia Petrae mit drei Landkarten und die zweibändige Publikation Qusair Amra mit den Reproduktionen von Mielichs Aquarellen, daneben eine Reihe von Aufsätzen in Zeitschriften. Zu jener Zeit war Musil der allgemein anerkannte Kenner der arabischen Welt schlechthin. Sogar der britische Außenminister, Sir Edward Gray, erbat bei der Festlegung der Grenze zwischen Ägypten und dem türkischen Palästinha seinen Rat.

Im Jahre 1910 macht Musil zusammen mit Dr. L. Kober kartographische Arbeiten an der Trasse der Hidschasbahn, zwei Jahre später begletet er den Prinzen Sixtus Borboun-Parma nach Palmyra und Mesoptamien. Seit dieser Exkursion pflegte er auch freundschaftliche beziehungen zu Erzherzog Karl und Prinzessin Zita, der Schwester von Sixtus.

Zu Beginn des Ersten Wltkriegts, in dem Österrech-Ungarn noch einmal eine vorherrschende Rolle zukam, betritt Musil erneut die szene des Welt geschehens. Auf Grund zweiir beunruhigender Briefe von Núri und Aude, reist er erneut in den Vorderen Orient. Er sollte hier die Pläne der Engländer vereiteln, die bemüht waren, die einheimischen Stämme für einen Aufstand gegen die Türkei zu gewinnen. Musil wird zu einem - leider erfolglosen - Gegenspiler von T. E. Lawrence.

Die letzte Mission führt Musil 1917 in die Türkei. Inkognito nimmt auch der Erzherzog Hubert Salvator teil. Offiziell sollte hier die Inspektion der österreichischen Einheiten durchgeführt und die Sicherheit der österreichisch-ungarischen Bürger überprüft werden, inoffiziell hatte diese Mission das gleiche Ziel wie die vorherige, nämlich die Araber zu gewinnen, an der Seite der Türken zu kämpfen.

Der Krieg war beendet, die österreichisch-ungarische Monarchie zerfallen, das kaiserliche Ehepaar hatte sich ins Exil begeben. Nun bemühte sich die Wiener Univesität um Nusil, er jedoch wollte nach Prag. Die Karls - Universität nahm ihn trotz der Proteste des Abgeordneten O. Srdínek auf. Durch deise Anti - Musil Kampagne wurde jedoch auch Musils verdienstvolle Intervention zu gunsten der verhafteten tschechischen Politiker K. Kramář, A. Rašín und V. Klofáč sowie der tschechischen Matrosen in der boka Kotorska bekannt, so dass er am 21. Januar 1920 ohne Widerspruch zum Professor der Hilfswissenschaften der Orientalistik und der modernen arabischen Sprache ernannt werden konnte.

Am 7. Mai 1922 stelle der Präsident der Republik, T. G. Masaryk, A. Musil dem amerikanischen Industriellen Ch. R. Crane vor. Mit Hilfe dieser beiden einflußreichen Männer begann Musil die Ergebnisse seiner Forschung in englischer Sprache zu publizieren. 1923 fuhr er mit Crane in die Vereinigten Staaten, um mit der Amerikanischen Geographischen Gesellschaft über die Herausgabe seine Arbeiten zu verhandeln. Musils epochales Werk über das Leben der Araber erschien binnen drei Jahre unter dem Titel Oriental Exporations And Studies, der Autor erhielt die große Ch.-P.-Dally - Goldmedaille und sein Name wurde mit Bronzelettern in dem Festsaal der Gesellschaft verewigt.

Alois Musil wirkte bis 1938 an der Karls-Universität. Er hielt vorlesungen, schrieb, publizierte. Seinen Lebensabend verbrachte er in Otryby bei Štenberk nad Sázavou nicht untätig. Er widmete sich seinen Hobbys der Landwirtschaft und Obstgärtnerei. Am 12. März 1944 las er die letzte Messe. Als er gleich darauf erkrankte, wurde er in ein Krankenhaus in Prag gebracht. Zu einer Niereninsuffizienz gesellte sich noch eine Lungenentzündung. Als er sein Ende nahen sah, ließ er sich nach Otryby bringen.

An 12. April 1944 verstarb Alois Musil - Músa ar Rueili. Seine sterblichen Überreste ruhen im heimatlichen Rychtářov, wohon sie anläßlich seines 100. Geburtstages überführt wurden.

Oldřich Klobas: Alois Musil --- resumé aus der Buch, aktualiziert 23.3.2005